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Flug in eine ganz andere Welt
Geschrieben von Judith Schmitz, Stadtspiegel Bottrop   
Wednesday, 06 June 2007

Impfungen ohne Ende, Rennerei zu Ärzten, Ämtern, der Bank, der Versicherung - Melanie Groß hat im Moment den Kopf ordentlich voll. Wenn sie in den Flieger nach Uganda steigt, muss im Vorfeld jede Menge geregelt sein.

Angehende Pädagogin will selber etwas lernen - "EdSense" vermittelt Freiwilligendienst in Uganda

Es ist schon ein Abenteuer, das für die 23-Jährige am 15. September beginnt, doch Nervosität oder Unsicherheit ist bei ihr nicht zu spüren. Die angehende Lehrerin weiß auch, dass sie in Uganda nicht auf sich selbst gestellt sein wird - und diese Sicherheit hat sie "EdSense" zu verdanken. Der Bottroper Verein hat ihr den Aufenthalt in der selben Familie vermittelt, in der der Kirchhellener Tim Wehrmaker im letzten Jahr zu Gast war. Mulindwa, Leiter der Schule in Mmanze, und seine Familie werden die 23-Jährige währdend ihres Aufenthaltes als hoch willkommenen Gast aufnehmen - und das kann Melanie wörtlich nehmen, denn Tim Wehrmaker kann endlose Geschichten über die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen in Mmanze erzählen.

Schon jetzt gehen zwischen Melanie und Mulindwa regelmäßig e-mails hin und her. "Manchmal steht da zum Beispiel einfach nur: Noch 20 Tage", erzählt Melanie. "Das zeigt mir doch, dass sie sich auf mich freuen." Und selbstverständlich muss Melanie bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Entebbe nicht sleber dafür sorgen, dass sie irgendwie nach Mmanze kommt. "Wir holen Dich natürlich ab", hat Mulindwa geschrieben - und "wir" kann durchaus ein ganzer Bus voller Dorfbewohner sein, die den Besuch aus Deutschland zur Begrüßung in die Arme schließen wollen. Auch die Eltern der rund 200 Mädchen und Jungen, die die "Holy Cross Namutenga Community Orphanage Primary School" in Mmanze besuchen, warten schon gespannt auf die neue Lehrerin. "Vielleicht können wir ja auch ein paar Worte Deutsch lernen", werden schon Pläne geschmiedet.

Sie habe schon immer eine soziale Ader gehabt, sagt Melanie über sich. "Ich möchte auch später den Kindern, die ich unterrichten werde, zeigen, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht wie uns." In Deutschland, findet die 23-Jährige, werde es "immer krasser. Alles dreht sich nur um Geld, keiner hat Zeit, überall herrscht Hektik." Die Menschen in Uganda seien zwar materiell schlechter dran, aber dafür, so glaubt die junge Frau, "gibt es dort mehr menschliche Wärme." Auf alle Fälle werde man voneinander lernen können, da ist sie sich völlig sicher. "Ich gehe davon aus, dass ich zurück komme, und verändert sein werde."

Trotz aller guten Vorbereitung reist Melanie für drei Monate ins Unbekannte. "Ich lasse es einfach auf mich zukommen", sagt sie. "Ich komme da ja nicht hin und sage: So wird das gemacht. Ich werde an dem ansetzen, was da ist, und dann sehen wir weiter." Sie ist sich auch durchaus darüber im Klaren, dass die Sprachbarriere anfangs nicht so einfach überwunden werden kann. "Dann geht es eben mit Händen und Füßen." Der Kontakt zu "ihren" Kindern lässt sich ja zum Glück auch auf vielfältige andere Weise herstellen: Lieder, Spiele, Basteln, Malen, Sport - Melanie hat eine ganze Liste von Möglichkeiten im Kopf. "Da braucht man ja zum Glück nicht viele Worte", sagt sie.

Aber auch schwierige Themen wie ewalt, Umweltbewußtsein oder AIDS will die junge Frau nicht aus dem Weg gehen. "Da muss ich aber noch überlegen, wie ich das angehen könnte", sagt Melanie, die ganz genau weiß, dass sie vielleicht auch im Dorf damit anecken könnte.

 Langsam wird es für Melanie ernst, die Uhr bis zu ihrem Abflug tickt immer vernehmlicher. Noch ein paar Freunde besuchen, die 20-Kilo Freigepäck, die sie mitnehmen kann, so sinnvoll wie möglich planen und dabei auch ein paar Geschenke von "EdSense" aus Deutschland nicht vergessen - dann ist der große Tag da. "Ich will gar nicht, dass mich viele Leute zum Flughafen bringen", hat Melanie schon beschlossen. "Der Abschied wird schwer genug." Schwer wird drei Monate später mit Sicherheit auch der Abschied von Uganda - und dann wird wieder das halbe Dorf zum Flughafen pilgern, um der blonden Frau aus Deutschland zum Abschied zu winken.

Tim Wehrmaker, der im letzten jahr sechs Monate in Mmanze lebte und als Aushilfslehrer in der dortigen Schule tätig war (der Stadtspiegel hat mehrfach über ihn berichtet) ist Vorsitzender von "EdSense". Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, das Dorf zu unterstützen und vor allem den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Der Freiwilligendienst, den EdSense organisiert, trägt dazu auch finanziell bei. Die Interessenten werden von EdSense aber nicht nur nach Afrika vermittelt, sondern vor ihrem Flug auch umfassend informiert.